Mittwoch, 3. September 2008

Der Great Lakes State unter der Lupe

Saturday 8/23/08

[für alle Ungeduldigen: Ich schreibe diesen Post bereits zum zweiten Mal, da der "save as draft"- button hier unglücklicherweise nich zu funktionieren scheint. So stelle im am Donnerstag mit Entsetzen fest, dass nichts vom bisher Fabrizierten den Samstag betreffend auf dieser schrecklich vergänglichen Plattform erhalten geblieben ist...oh, hätt ichs doch handschriftlich festgehalten - die Morbidität der elektronischen Profilierung juveniler Schwärmer erweist sich hier wieder einmal aufs Schmerzlichste]

Der Samstag beginnt jedenfalls für die drei german interns mit dem festen, über Nacht gefassten Entschluss, einem der drei great lakes die Ehre zu erweisen. Die Wahl fällt nach kurzer Überlegung auf Lake Huron, zum Einen aufgrund unmittelbarer Nähe, zum Anderen aufgrund des erheblichen Alter des Campaigntrucks, der eigentlich ne gehörige Portion Doppelherz bräuchte, um als fahrzeugtauglich zu gelten. 
Zuvor gehts noch zum Farmer`s Market, in dem Michigan Obst und Gemüse sowie Brot und alles andere, was man zum leben braucht verkauft wird. So decken wir uns mit Äpfeln, Bananen und Wassermelone ein, wobei Paul mit Rice Crispy Treats (Puffreiskörner zusammengehalten durch geschmolzene Marshmallows) und Augäpfelgroßen, neonfarbenen Kaugummibällen ein Paradebeispiel in Sachen ausgewogener Ernährung darstellt. Achso, und gespült wird das Ganze natürlich mit Rootbeer, irgendwie muss man ja schließlich auch den Insulinspiegel bei Laune halten, nich wahr?!
Wieder "sicher" im Campaigntruck schunkeln wir zu den Tönen unseres Lieblingsradiosenders KCWW mit dem Besten aus den 50er, 60er und 70er Jahren (ey, ich will so n Radiosender für Berlin...) mit ganzen 50 Meilen pro Stunde und ohne Fensterscheiben (ersetzt die Klimaanlage, Tod den fossil fuels ;) in Richtung Lake Huron. Port Huron, das wir uns als idyllisches Örtchen mit niedlichen Häuschen und einem maritim anmutenden Stadtkern vorgestellt haben (okay, vielleicht auch nur ich), stellt sich als lose zusammengewürfelte, verstreute Siedlung heraus. Verbindungselement zwischen Ortseingang und Ufer des Sees stellt eine Fressmeile dar und ohne weitere Überlegung fällt die Wahl der Jungs auf die ausgewählte Cousine von Taco Bell. Kurz nach elf werden hier also Nachos und Tacos und Quesadillas verdrückt, während uns die herrliche Aussicht auf die zerrüttete Betonstraße und das gegenüberliegende Donutlokal sowie das sinnigerweise direkt benachbarte Dunkin Donuts in ihrer simplen Schönheit betört.
Mit dem Bauch direkt hinters Lenkrad gepresst geht es weiter, um nun endlich die Ufern des Lake Huron zu erreichen. Doch da wir keinen geeigneten Zugang zum See finden, fahren wir zum nächstgelegenen, ausgeschilderten garage sale, laut Paul ein kulturelles Ereignis, das man nicht verpassen sollte. So finden wir uns also inmitten von alten Handtüchern, vergilbten, leeren Fotoalben und Häkeldecken wieder. Während ich einen pin mit der Aufschrift "Merry Christmas" aus den 70er Jahren erstehe, unterhält sich Paul angeregt mit der Hausbesitzerin, die ihn in ihre Deckensammlung einweiht und ihm von ihrem neuesten Fabrikat erzählt, auf dem sie Beethoven verewigt hat. Paul ist begeistert und überlegt kurz, die Decke tatsächlich zu kaufen (die im übrigen aussieht wie von einem vor Kaisers platzierten Stand vietnamesischer Einwanderer entkommen) als sie ihm stolz präsentiert wird und er feststellen muss, dass in Schriftgröße 72 "Mozart" auf die Decke gekettelt wurde. Während Paul sich nun bis zum Bluterguss auf die Lippen beißt, hat Tim ein Gespräch mit dem Hausbesitzer begonnen, der, wie sich bald herausstellt, kein Obama-Freund ist, da dieser für sie als unglaublich religöse Menschen nicht sorgen könne. Ihr Kandidat sei Mitt Romney gewesen, er versichert uns auch gleich, dass wir zu seiner Tür (die ja auch nur schlappe 1/1/2 Stunden von unserem Wohnort entfernt ist) gar nicht erst kommen bräuchten. Wir verabschieden uns dann recht schnell, ärgern uns dann aber im Auto, nicht doch noch gekontert zu haben...
Den Rest des Tages verbringen wir badend, lesend und flezend am Strand, der für mich genausogut an der Ostsee gelegen sein könnte, da der See sich bis zum Horizont erstreckt. Auf der Heimfahrt grölen wir wieder laut sämtliche Motown-Hits mit und geben so dem herrlichen Tag einen würdigen Abschluss. 

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

aha ...?