Der Beginn der Woche Nummer 3 gestaltet sich arbeitsreich und dementsprechend kurzlebig. Am Montag starten wir unsere erste Canvassing-Aktion (bei der wir Flugblätter mit dem Programm lokaler Kandidaten, die sich für das Amt des County Commissioners oder gar State Representatives bewerben, unter die Klinke der Haustür der Bewohner jener Nachbarschaft stecken), wobei Ed uns erklärt, man würde den größten Nutzen aus diesen Aktionen ziehen, wenn man sie als soziologische Studie ansehe. Nun ja...wenn man sich gerade für wild hinter dem Fliegengitter kläffenden Riesenhunden oder unfreundlichen, republikanischen Omas retten muss, fällt es schwer, den precinct as a social laboratory ;) zu analysieren.
Anschließend gehen wir in einem Restaurant in Eds Nähe essen und zum ersten Mal befindet sich ein separater, vegetarischer Teil auf der Speisekarte - yipppieh! Auswahl! Demnach dauerts bei mir dann diesmal mit der Entscheidung dann auch etwas länger. sonst gibts ja immer nur ein meatless dish...
Aus der heutigen Erinnerung verschwimmen diese Tage jedenfalls ineinander (wahrscheinlich beweist sich an dieser stelle, dass es sinnvoll ist, solche einträge immer zeitnah vorzunehmen...).
Am Dienstag nimmt uns Ed mit zum County Commissioner Budget Meeting, das Macomb Countys finanziellen Engpass regulieren soll. Was wir hier erleben, ist Bürokratie in ihrer Reinform: nach zweistündiger Anhörung von Bürgerklagen (die mein "Lieblings-County-Commissioner Carrey Torice mit sms schreiben verbringt...manchmal trifft der erste Eindruck eben doch zu...) zieht sich die Kommission zurück, unter Ausschluss der Öffentlichkeit, natürlich...
Nach einer weiteren dreiviertel Stunde Warten rät uns Brian, doch einfach zu gehen. Das sollte dann auch die weiseste Anweisung des Tages bleiben...
Am Mittwoch canvassen wir mit Brian, diesmal im unschlagbaren 5er Pack samt Kolja Langnese, der am Abend zuvor eingetroffen is und sich wunderbar ins Nordamerikastudien-Team einfügt...abgesehn von fragwürdigen musikalischen Vorlieben ;)
Da wir in einem privaten Condo-Bereich Flugblätter verteilen, weist Brian uns darauf hin, dass wir jederzeit vom Gelände geworfen werden können...prima Aussichten.
Ansonsten fühlt man sich wie inmitten der Desperate Housewives - Kulisse. Besonders skuril wirds dann, als ich um eine Hausecke biege und sich die gesamte Nachbarschaft zum Nachmittagspoker versammelt hat und mich freundlich grüßt. Die sind schon ein verrücktes Völkchen, diese Amerikaner.
Abgesehen von dem Hausfriedensbruch-Hinweis belehrt uns Brian noch über John McCains schmutzige Ehe-Vergangenheit. Is schon geil, wie die Republikaner ihre eigenen Werte nich im Ansatz aufrechterhalten können...aber Ms Palin kann ja ein Lied davon singen...
Um 20 vor acht teilt mir Wally dann noch ganz nebenbei mit, dass heute abend ein Toni-Meeting stattfindet, was natürlich meine gesamte Routenplanung über den Haufen schmeißt, was mich kurzzeitig (hoffentlich auch aus eurer Sicht, Jungs) zur gestressten Zicke mutieren lässt. Aber Toni is wie immer gut drauf und es läuft dann auch soweit alles gut.
Das waren se also...die drei langweiligen Tage von vor zwei Wochen...hat für euch jetz wahrscheinlich den Beigeschmack von kaltem Kaffee und schalem Bier...im besten Fall gemischt:)
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen