Für Paul und Tim beginnt der Tag im Stil Hugh Hefners: einige Runden im Pool eines abgedrehten Hauses. Ob es auch Bunnies gab, kann ich nich sagen, solche Fragen dann bitte an die beiden Herren...:)
Den Tag verbringen wir in gespannter Erwartung der Obama Acceptance Speech (tut mir leid, Mutti, dass du hier schon wieder das Wörterbuch wälzen musst...:) und halten in der CNN Berichterstattung nach Wally und Ed Ausschau, die natürlich bei der Democratic Convention an vorderster Front dabei sind. Jonovan Luckey, der lokale Obama-Beauftragte und einer der nettesten Menschen, die wir hier kennenlernen durften, hat uns zum Obama Volunteers Treffen eingeladen, das in einem Restaurant stattfinden soll, in dem dann alle die Rede gucken.
Und so schauen wir die Rede dann um 20.15 uhr in der live Übertragung und diskutieren im Anschluss (oder schwärmen vielmehr :).
Meine Highlights der Rede: Obamas sarkastischer Hinweis auf den trickle-down-effect (mannometer, und wir wussten, wovon er spricht...ich liebe meinen Studiengang), die Verteidigung seiner Person (siehe Titel), seine Stellungnahme zum Irak-Krieg, seine respektvollen Äußerung zur Person McCains, die Verdeutlichung der mittlerweile zur Phrase verkommenen Äußerung "John McCain is more of the same" und seines Ziels, Demokraten und Republikaner zu vereinen.
In positive Ekstase versetzt und in freudiger Erwartung, uns das lilane Obamabändchen, das seit dem ersten "Freiwillige für Obama"-Treffen an unseren
Handgelenken baumelt, endlich zu verdienen, begeben wir uns also auf den Heimweg.
Am Freitag fahren wir direkt nach der Arbeit (auch hier handelt es sich wieder um einen gewöhnlichen Bürotag...nicht der Rede wert, um ehrlich zu sein) mit von Fred Miller gesponserten Tickets (er ist bereits am Abend zuvor mit seiner Frau Jena zur Democratic Convention gefahren) zum Tigers Baseball game nach Detroit Downtown. Doch bereits beim zweiten Spiel ist für Tim und mich der Lack irgendwie ab - da ändern auch gebrannte Mandeln, corn dogs und "Take me out to the ballgame" nicht mehr wirklich etwas dran. Nichtsdestotrotz scheinen wir den von Niederlagen gebeutelten Tigers Glück zu bringen, denn wieder gewinnen sie. Hat der 7th inning's stretch also doch noch was gebracht...
Der Beginn der Woche Nummer 3 gestaltet sich arbeitsreich und dementsprechend kurzlebig. Am Montag starten wir unsere erste Canvassing-Aktion (bei der wir Flugblätter mit dem Programm lokaler Kandidaten, die sich für das Amt des County Commissioners oder gar State Representatives bewerben, unter die Klinke der Haustür der Bewohner jener Nachbarschaft stecken), wobei Ed uns erklärt, man würde den größten Nutzen aus diesen Aktionen ziehen, wenn man sie als soziologische Studie ansehe. Nun ja...wenn man sich gerade für wild hinter dem Fliegengitter kläffenden Riesenhunden oder unfreundlichen, republikanischen Omas retten muss, fällt es schwer, den precinct as a social laboratory ;) zu analysieren.
Anschließend gehen wir in einem Restaurant in Eds Nähe essen und zum ersten Mal befindet sich ein separater, vegetarischer Teil auf der Speisekarte - yipppieh! Auswahl! Demnach dauerts bei mir dann diesmal mit der Entscheidung dann auch etwas länger. sonst gibts ja immer nur ein meatless dish...
Aus der heutigen Erinnerung verschwimmen diese Tage jedenfalls ineinander (wahrscheinlich beweist sich an dieser stelle, dass es sinnvoll ist, solche einträge immer zeitnah vorzunehmen...).
Am Dienstag nimmt uns Ed mit zum County Commissioner Budget Meeting, das Macomb Countys finanziellen Engpass regulieren soll. Was wir hier erleben, ist Bürokratie in ihrer Reinform: nach zweistündiger Anhörung von Bürgerklagen (die mein "Lieblings-County-Commissioner Carrey Torice mit sms schreiben verbringt...manchmal trifft der erste Eindruck eben doch zu...) zieht sich die Kommission zurück, unter Ausschluss der Öffentlichkeit, natürlich...
Nach einer weiteren dreiviertel Stunde Warten rät uns Brian, doch einfach zu gehen. Das sollte dann auch die weiseste Anweisung des Tages bleiben...
Am Mittwoch canvassen wir mit Brian, diesmal im unschlagbaren 5er Pack samt Kolja Langnese, der am Abend zuvor eingetroffen is und sich wunderbar ins Nordamerikastudien-Team einfügt...abgesehn von fragwürdigen musikalischen Vorlieben ;)
Da wir in einem privaten Condo-Bereich Flugblätter verteilen, weist Brian uns darauf hin, dass wir jederzeit vom Gelände geworfen werden können...prima Aussichten.
Ansonsten fühlt man sich wie inmitten der Desperate Housewives - Kulisse. Besonders skuril wirds dann, als ich um eine Hausecke biege und sich die gesamte Nachbarschaft zum Nachmittagspoker versammelt hat und mich freundlich grüßt. Die sind schon ein verrücktes Völkchen, diese Amerikaner.
Abgesehen von dem Hausfriedensbruch-Hinweis belehrt uns Brian noch über John McCains schmutzige Ehe-Vergangenheit. Is schon geil, wie die Republikaner ihre eigenen Werte nich im Ansatz aufrechterhalten können...aber Ms Palin kann ja ein Lied davon singen...
Um 20 vor acht teilt mir Wally dann noch ganz nebenbei mit, dass heute abend ein Toni-Meeting stattfindet, was natürlich meine gesamte Routenplanung über den Haufen schmeißt, was mich kurzzeitig (hoffentlich auch aus eurer Sicht, Jungs) zur gestressten Zicke mutieren lässt. Aber Toni is wie immer gut drauf und es läuft dann auch soweit alles gut.
Das waren se also...die drei langweiligen Tage von vor zwei Wochen...hat für euch jetz wahrscheinlich den Beigeschmack von kaltem Kaffee und schalem Bier...im besten Fall gemischt:)
Nach unserem Tagestrip nach Lake Huron, der dann doch anstrengender ausfiel als erwartet - schwimmen, essen und rumliegen is och nich ohne;) , gabs nur eins, was uns diesen Sonntag wirklich interessierte: die Brewer'sche Couch. Und auf dieser haben wir dann auch den Großteil des Tages verbracht. Am Morgen gehen Paul und ich noch mit Kim (die ihre Massen-Taufe in der Woche davor hatte) zur Andacht der Kensington Church, in der der Pastor von seinen letzten Golferlebnissen erzählt, natürlich immer geschwängert mit pathetischer Moral, Hippie-Musiker in Schlaghosen, flip flops und tatoos "little wonders" von rob thomas trällern und die Mitglieder von sich selbst behaupten, nich an Gott zu glauben. Was mir gut gefällt is, dass der Pastor immer wieder sagt, dass der Kirchgang keine Garantie fürs Seelenheil ist. Was etwas aufstößt ist die gepriesene Passivität ala "Vertrau völlig in Gott und er wird alles richten" - da bin ich schon eher Anhänger des Kharma-Gedankens. Nach diesem religiös aufgeladenen Morgen schmeißen wir uns in parasitärer Manier auf die lindgrüne Ledercouch des Brewer'schen Haushalts und gucken uns laut Gena das Beste an, was die 80ies zu bieten haben: "The legend of Billie Jean" (ein Mädchen wird durch einen ungeplanten Raubüberfall Heldin der Nation - so im Stil Pippi Langstrumpfs für Erwachsene) und "Lost Boys" (Vampire in L.A.) - Trash-Kino vom Feinsten! Dazu gibts lecker Pizza, Eis von Dairy Queen und ein perfekter Sonntag klingt mit den letzten Explosionen in "Lost Boys" ("What ever happened to Corey Haim?" - I totally get that now!) aus.
[für alle Ungeduldigen: Ich schreibe diesen Post bereits zum zweiten Mal, da der "save as draft"- button hier unglücklicherweise nich zu funktionieren scheint. So stelle im am Donnerstag mit Entsetzen fest, dass nichts vom bisher Fabrizierten den Samstag betreffend auf dieser schrecklich vergänglichen Plattform erhalten geblieben ist...oh, hätt ichs doch handschriftlich festgehalten - die Morbidität der elektronischen Profilierung juveniler Schwärmer erweist sich hier wieder einmal aufs Schmerzlichste]
Der Samstag beginnt jedenfalls für die drei german interns mit dem festen, über Nacht gefassten Entschluss, einem der drei great lakes die Ehre zu erweisen. Die Wahl fällt nach kurzer Überlegung auf Lake Huron, zum Einen aufgrund unmittelbarer Nähe, zum Anderen aufgrund des erheblichen Alter des Campaigntrucks, der eigentlich ne gehörige Portion Doppelherz bräuchte, um als fahrzeugtauglich zu gelten.
Zuvor gehts noch zum Farmer`s Market, in dem Michigan Obst und Gemüse sowie Brot und alles andere, was man zum leben braucht verkauft wird. So decken wir uns mit Äpfeln, Bananen und Wassermelone ein, wobei Paul mit Rice Crispy Treats (Puffreiskörner zusammengehalten durch geschmolzene Marshmallows) und Augäpfelgroßen, neonfarbenen Kaugummibällen ein Paradebeispiel in Sachen ausgewogener Ernährung darstellt. Achso, und gespült wird das Ganze natürlich mit Rootbeer, irgendwie muss man ja schließlich auch den Insulinspiegel bei Laune halten, nich wahr?!
Wieder "sicher" im Campaigntruck schunkeln wir zu den Tönen unseres Lieblingsradiosenders KCWW mit dem Besten aus den 50er, 60er und 70er Jahren (ey, ich will so n Radiosender für Berlin...) mit ganzen 50 Meilen pro Stunde und ohne Fensterscheiben (ersetzt die Klimaanlage, Tod den fossil fuels ;) in Richtung Lake Huron. Port Huron, das wir uns als idyllisches Örtchen mit niedlichen Häuschen und einem maritim anmutenden Stadtkern vorgestellt haben (okay, vielleicht auch nur ich), stellt sich als lose zusammengewürfelte, verstreute Siedlung heraus. Verbindungselement zwischen Ortseingang und Ufer des Sees stellt eine Fressmeile dar und ohne weitere Überlegung fällt die Wahl der Jungs auf die ausgewählte Cousine von Taco Bell. Kurz nach elf werden hier also Nachos und Tacos und Quesadillas verdrückt, während uns die herrliche Aussicht auf die zerrüttete Betonstraße und das gegenüberliegende Donutlokal sowie das sinnigerweise direkt benachbarte Dunkin Donuts in ihrer simplen Schönheit betört.
Mit dem Bauch direkt hinters Lenkrad gepresst geht es weiter, um nun endlich die Ufern des Lake Huron zu erreichen. Doch da wir keinen geeigneten Zugang zum See finden, fahren wir zum nächstgelegenen, ausgeschilderten garage sale, laut Paul ein kulturelles Ereignis, das man nicht verpassen sollte. So finden wir uns also inmitten von alten Handtüchern, vergilbten, leeren Fotoalben und Häkeldecken wieder. Während ich einen pin mit der Aufschrift "Merry Christmas" aus den 70er Jahren erstehe, unterhält sich Paul angeregt mit der Hausbesitzerin, die ihn in ihre Deckensammlung einweiht und ihm von ihrem neuesten Fabrikat erzählt, auf dem sie Beethoven verewigt hat. Paul ist begeistert und überlegt kurz, die Decke tatsächlich zu kaufen (die im übrigen aussieht wie von einem vor Kaisers platzierten Stand vietnamesischer Einwanderer entkommen) als sie ihm stolz präsentiert wird und er feststellen muss, dass in Schriftgröße 72 "Mozart" auf die Decke gekettelt wurde. Während Paul sich nun bis zum Bluterguss auf die Lippen beißt, hat Tim ein Gespräch mit dem Hausbesitzer begonnen, der, wie sich bald herausstellt, kein Obama-Freund ist, da dieser für sie als unglaublich religöse Menschen nicht sorgen könne. Ihr Kandidat sei Mitt Romney gewesen, er versichert uns auch gleich, dass wir zu seiner Tür (die ja auch nur schlappe 1/1/2 Stunden von unserem Wohnort entfernt ist) gar nicht erst kommen bräuchten. Wir verabschieden uns dann recht schnell, ärgern uns dann aber im Auto, nicht doch noch gekontert zu haben...
Den Rest des Tages verbringen wir badend, lesend und flezend am Strand, der für mich genausogut an der Ostsee gelegen sein könnte, da der See sich bis zum Horizont erstreckt. Auf der Heimfahrt grölen wir wieder laut sämtliche Motown-Hits mit und geben so dem herrlichen Tag einen würdigen Abschluss.
Tadaaa....der erste Tag, an dem ich tatsächliche Campaignarbeit leiste! Und zwar für die jetz endgültig mir persönlich zugeteilte, zauberhafte Toni Moceri! Nach dem ekstatischen Eintritt in die Gruppe stolzer,offizieller Obama supporter am Dienstag Abend tragen Timmi und ich nun also unser lilafarbenes Armbändchen und werdens auch bis zum vierten November nicht freiwillig ablegen :) Doch heute gehts erstma an die lokale demokratische Unterstützung. Ich fang an, indem ich die walking cards für Toni zurechtlege, die Routen durch die Nachbarschaften plane (manmanman...mit suboptimalem logischen Denkvermögen stellen solche logistischen Aufgaben echte Herausforderungen dar...;) und mit ihr via email Details über die Spenden ihrer Finanziers kläre. Außerdem fang ich an, die walking cards für Toni zu adressieren...um auch hier wieder mal die Dimensionen zu verdeutlichen: zur Zeit liegen 4300 dieser Karten hier im Lager des Macomb County Democratic Club...die müssen alle handschriftlich adressiert und frankiert werden...und Wally hat mir schon eröffnet, dass wir unbedingt neue bestellen müssen...so there`s a whole lotta writing goin' on...:)
ABER - es is ja schließlich alles für die gute Sache!
Außerdem kann ich mich glücklich schätzen, dass ich nich den Quatsch machen muss, den Timmi macht - der ruft sich hier mit Wally andauernd hardcore IT Vokabular zu, weil er entweder neue Software installiert, Laptops up-settet oder furchteinflößende Statistiken erstellt...dafür hat er sich hier auch schon den Ruf eines Genies erhalten, während ich halt die kleine, schwer-von-kapisch und technophobe Deutsche bin...well, but at least I'm someones favourite German2.0 (so nennen mich meine Gasteltern...ich bin laut Ihnen das pflegeleichtere Update :).
Nach diesem harten Arbeitstag gibts nur eine Sache, der ein kleiner deutscher Praktikant zu seiner persönlichen Erholung beiwohnen kann - a mass baptism, of course!
Aus diesem Grund hasten Timmi und ich Punkt fünf ausm Büro und fahren mit Gena nach Stony Creek, zum Naherholunsgebiet, in dem wir schon einen herrlich faulen Sonntag verbracht haben. Diesmal werden wir allerdings aus rein journalistischem Interesse und atheistischer Neugier an der Taufe einer Freundin Genas teilnehmen. Besagte Freundin heißt Kim und ist Anhänger der Kensington Church - "eine Kirche für alle, die nich an Gott glauben", wie sie selbst so schön sagt. Samt ihrer Familie lässt sich Kim dann mit 300 von vermutlich jeder anderen existierenden Glaubensgemeinschaft nicht einmal mehr über die Kirchenschwelle gelassenen Leuten inmitten des kühlen Wasser des Baypoint Beach gemäß des vorherrschenden Mottos "Hold me under" unter Wasser tauchen. Vorher gabs noch lecker Nudelsalat und Antipasti und für Tim n Chickensalad - aber Tim hat alle durchschaut: "Ja ja, die wissen wie se die Leute hier ködern", raunt er mit verschwörerischem Unterton. Nach ner halben Stunde is dann auch schon alles vorbei und die ehemals katholische Kim is jetz offiziell n waschechter Kensingtoner. Die Heiden fahren nichtsdestotrotz ebenso vergnügt nach Hause wie die dem Seelenheil nun mehr Gewissen und so hat doch jeder das Beste aus diesem Tag gemacht:)
Und natürlich wird diesem feinen Abend durch Paulie Schmidts Ankunft noch das Sahnehäubchen aufgesetzt.
Thursday 8/21
Am Donnerstag schneit das erste Highlight des Tages so gegen 10 durch die bescheidene Pforte des demokratischen Büros: Paulie "sie-nennen-mich-Hulk" Schmidt in voller Pracht. Nach einer herzigen Umarmung gehtsauch direkt an die Arbeit, denn unter Eds Adleraugen würd Müßigkeit und Faulenzertum nich geduldet;)
Auch dieser Arbeitstag dreht sich größtenteils um das Adressieren von Tonis walking cards, so n Stapel von 4300 muss man erst ma abarbeiten...
Timmi arbeitet wieder wild an irgendwelchen Statistiken, die er mithilfe von Excel Tabellen und den unendlichen Weiten des Internets erstellt.
Um Paulie nach seinem Arbeitstag erstma in die gegebenen Lokalitäten einzuführen, fahren wir nach Patridge Creek, eine noble (einziger Calvin Klein Shop in Michigan) Shopping Mall unter freiem Himmel. Entsetzt muss ich feststellen, dass das der erste Shopping Trip in den Staaten is und das, obwohl wir schon 1 1/2 wochen hier sind! Meine Mama wird stolz auf mich sein;)
Die Krone wird dieser verstörenden Tatsache noch durch die Jungs aufgesetzt - Timmi kauft sich ein schniekes Hemd, Paulie n legeren Gürtel (für den leger suit, Ciq ;) und ne Levis Jeans (für...mhmmm...laut Tim "pervers billige" 18€) und ich...kauf mir nischt :( Nich nur, weil mir vorm Cashautomaten spontan meine Pin nich einfällt, sondern auch, weil ich weder in der Stimmung bin noch was überragendes finde. Dafür kauf ich später im Value Center Arizona Japanese Ice Tea und Willy Wonka Nerds (kleine Zuckerkügelchen mit extrem hohen Suchtfaktor...wie so vieles hier in Amerika...).
Wir hängen noch ne Weile bei Ed auf der Couch und gucken uns Fotos von Paulies Kinderbeschäftiger-Tätigkeit in Brighton an und dann is auch dieser Tag schon wieder rum.
Friday 8/22
Wie immer überziehen wir auch am Freitag wieder gnadenlos mit der Arbeit und schließen als Letzte das Büro ab. Gena is an diesem Abend auf ner Art Tupper-Party für Schilder und Applikationen/Dekorationen/whatever...watch Enie van de Meiklokjes re-decorating houses and you'll get what I mean;)...und als ich nach Hause komme, treffe ich auf Chris, der gerade von seiner Dienstreise in Chicago zurückgekommen is. Wir quatschen ein bisschen und keine halbe Stunde später stehen auch schon Tim und Paulie vor der Tür (ja, ich hatte vorher gesagt, ich möchte einfach nur ins Wochenende reinschlafen, aber okay...) und der Abend nimmt eine interessante Wendung. Statt dem ursprünglich geplanten ruhigen Abend in Gesellschaft der Vogue, einiger Weinträubchen und gehaltlosem, aber unterhaltsamen amerikanischen Fernsehen befinde ich mich unverzüglich in einer heiteren Männerrunde. Auch okay. Wir gucken ne Star Wars Knetfiguren-Verarsche, Saturday Night Life und einige perverse YouTube Videos, die wohl zu nem vernünftigen Männerabend dazugehören.
Saturday - 8/16/08 Leider mussten wir heute sehr, SEHR früh aufstehen (ich: gegen 7 Uhr, Josi: um 6.30 Uhr), um zu unserer ersten größeren Veranstaltung außerhalb von Mt Clemens zu fahren: eine sog. Local Convention der Democratic Party. Das mag sich vielleicht interessant anhören, tatsächlich ist es aber todlangweilig. Die anwesenden Parteimitglieder aus den Counties Macomb und Oakland mussten Personen in irgendwelche Parteiämter wählen. Sander Levin, ein langjähriges Mitglied des US-Kongresses war ebenfalls dort und hat nicht gerade zur Besserung der Lage beigetragen. Das einzig Gute an dem Ganzen war, dass wir endlich Obama Buttons und Bumper-Sticker erstehen konnten.
Danach ging es nach Downtown Detroit zum polnischen "Pierogi-Fest" (Josi hatte wie man sieht viel Spass) an der Sweetest Heart of Mary Church, einer für amerikanische Verhältnisse (1890er) alten Kirche. In lustigen weiß-roten Zelten gab es, hence the name, Piroggen, Hühnchen, Crêpes, BBQ, aber auch unzählige kleine Glückspiele. Das ganze soll dazu dienen den Unterhalt der Kirche zu finanzieren. Denn sie steht in einer Gegend, die sehr stark gezeichnet ist von der massenhaften Abwanderung der Menschen aus Detroit. Als wir uns der Gegend umschauten kam man sich nicht vor, als sei man in den USA, sondern vielmehr in der Dritten Welt. Trotz oder gerade wegen dieser widrigen Umstände entstehen hier so interessante Dinge wie das Heidelberg Project (in der Heidelberg Rd, keine Verbindung zu Deutschland). Hier haben es sich mehrere Künstler zur Aufgabe gemacht mit sozialkritischer Kunst wieder Leben in den Stadtteil zu bringen.
Am Abend wurde Genas (Josis Gastmutter) Geburtstag im Garten hinter ihrem Haus gefeiert, natürlich ordnungsgemäß mit Hamburgern, Hot Dogs, gegrilltem Gemüse (für Josi) und vielem anderen amerikanischen Spzialitäten. Besonders gefährlich war der Rumpunsch, der sowohl extrem süß als auch ganz gut mit Alkohol versehen war. Bei der Party haben wir einige Freunde und Verwandte von Gena und Chris kennengelernt, deren Kindern allesamt sehr fotogen waren... man konnte Josi kaum von der Kamera lösen :)
Sunday - 08/17/08 Wie es sich für einen ordentlichen Sonntag gehört haben wir heute einen ganz entspannten Tag gehabt. Zuerst sind wir kurz (d.h. etwa 30 min) in einem Target grocery store gewesen, um uns mit picknick-gerechten Nahrungsmitteln, wie Crackern, Käse, Obst und Cookies, zu versorgen, dann sind wir in den Stony Creek Metro Park gefahren, einem wunderschönen Naherholungsgebiet, das uns ein wenig an unsere Heimat erinnert hat. Zu dumm, dass wir keine Badebekleidung mit uns hatten, war doch das Wasser herrlich erfrischend. Außerdem haben wir uns mal ein bisschen Zeit zum lesen genommen. Später fing es an zu regnen; glücklicherweise nicht allzu lang, so dass wir dann noch ein wenig rumspaziert sind und uns am Fitness Trail versucht haben.
Monday - 08/18/08 tbd
Tuesday - 08/19/08 Nach einer Stunde im Büro ging es nach Warren, der größten Stadt in Macomb County, zur Eröffnungsveranstaltung von "Women for Obama" in Michigan. Wir mussten zwar einige Zeit warten, weil Ed vorher mit einigen Personen sprechen musste, aber dann bekamen wir einen ganz tollen Film zu sehen, den ihr euch auch unbedingt mal zu Gemüte führen solltet:
Dann hielten einige wichtige Frauen von den Democrats kurze, knackige Reden: ein Mitglied des DNC aus Michigan, die Senatorin von Michigan und die Gouverneurin von Kansas (die Gouverneurin von Michigan konnte leider nicht kommen, denn sie verkündete die Schaffung von 10.000 Jobs). Zurück im Büro musste ich mich weiter mit irgendwelchen Statistiken und Excel befassen, Josi mit ihren Labour Union Recherchen.
Abends waren wir bei einem "find out how you can help Barack Obama"-Treffen mit Leuten aus Mt Clemens, die sich in ihrer Freizeit für die Obama Campaign for Change engagieren wollen. Hier wird mir erst so richtig klar, dass die Menschen hier fast die gleichen Sorgen haben wie in Deutschland. Hauptthema ist ganz klar die wirtschaftliche Lage in den USA, vor allem in Michigan. Wir haben beschlossen jeden Donnerstag ab dem 4. September (trotz Josis Geburtstag... sie will es so.) canvassing zu machen, sprich von Tür zu Tür gehen, mit den Leuten ein kurzes Gespräch über Obama und ihre Sorgen und Probleme führen und ihnen Material zum Lesen aushändigen. Mal sehen wie das wird...wir sind sehr sehr gespannt! Danach sind wir zu Gena gefahren, die für uns ein super, lecker Abendessen gezaubert hat: Nudeln mit einer Zitronen-Tomaten-Sauce, Knoblauchbrot und (weißen!) Spargel. Die Kombination klingt vielleicht seltsam, aber es war einfach toll.